Ich blickte in den blauen Himmel und verfolgte die vereinzelten, vorbeiziehenden weißen Wolken. Es war der erste Tag im Jahr, an dem selbst der Wind etwas Sommerliches hatte. Dazu die Mauersegler, mit ihren akrobatischen Flugeinlagen, ein untrügliches Zeichen der bevorstehenden warmen Jahreszeit.
„Ich würde gerne im Gras liegen“, sagte ich.
„Ich denke, das lassen wir mal lieber“, antwortete Simon, mein Bruder, der schweigend neben mir auf der Bank saß.
„Ja, stimmt“, sagte ich. „Aber es ist doch ein schöner Gedanke.“
„Ja, das stimmt“, entgegnete mein Bruder.
Während unseres kurzen Gesprächs hatte ich den Blick nicht von den kleinen, flinken Vögeln am Himmel abgewendet. Sie hatten mich schon immer fasziniert.
„Wusstest du, dass Mauersegler über 90 Prozent ihres Lebens in der Luft verbringen?“, fragte ich meinen Bruder.
„Nein, wusste ich nicht.“
„Sie schlafen sogar in der Luft. Ist das nicht faszinierend?“
„Ja, das ist es.“
In der Stimme meines Bruders lag etwas Trauriges. Und obwohl ich den Blick nicht vom Himmel nahm, spürte ich, dass er mich besorgt ansah.
„Sei nicht traurig“, sagte ich, ohne ihn dabei anzusehen.
Er schnaubte leise und lächelte, antwortete aber nicht.
„Anfang August sind die Mauersegler wieder weg“, sagte ich, um das Gespräch wieder auf die Vögel zu lenken.
„Ist es nicht toll, dass gerade der Vogel, der nur so kurz hier ist, uns die meiste Freude bereitet?“
Nach einem Moment der Stille schaute ich zu meinem Bruder hinüber und sah, dass er weinte.
„Ich weiß“, sagte ich. „Geht mir auch so.“
Dann schaute ich wieder in den Himmel, um noch einmal den Anblick meiner Lieblingsvögel zu genießen, ehe sie, oder ich, weiterziehen würden.
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